JTBD Grundlage

Was sind Jobs to be done (JTBD)

Was Kunden wirklich erreichen wollen

Julian_Team

von Julian Hess, Marketing Manager

In diesem Artikel erfährst du:

Kunden kaufen keine Produkte, sondern wollen in einer konkreten Situation einen spürbaren Fortschritt machen und ein bestimmtes Ergebnis erreichen. Gerade in gesättigten Märkten, in denen sich Angebote funktional immer ähnlicher werden, entscheidet nicht mehr das Produkt selbst, sondern die Frage, welches Angebot einem Kunden hilft, sicher voranzukommen.

Erfolgreiche Unternehmen richten sich deshalb nicht an Funktionen oder Features aus, sondern an den realen Situationen ihrer Kunden. Sie verstehen, wo Menschen heute stehen, wohin sie wollen und warum sie überhaupt ins Handeln kommen. Genau hier setzen Jobs to be done an.

Was sind Jobs to be done?

Jobs to be done beschreiben, welchen Fortschritt Menschen in einer bestimmten Ausgangslage erreichen wollen und welches Ergebnis für sie am Ende zählt. Sie erklären nicht, welches Produkt gekauft wird, sondern warum überhaupt eine Kaufentscheidung getroffen wird.

Ein Job to be done beantwortet im Kern drei Fragen:

  1. In welcher Situation befindet sich eine Person
  2. Welchen Fortschritt möchte sie machen
  3. Welches Ergebnis möchte sie sicher erreichen

Jobs to be done stehen dabei nie isoliert. Sie sind immer an eine konkrete Buyer Persona gebunden, denn Rolle, Verantwortung und Kontext bestimmen, welcher Fortschritt relevant ist. Derselbe Markt kann für unterschiedliche Personen völlig unterschiedliche Jobs enthalten.

Wichtig ist: JTBD beschreiben keine Lösungen. Sie beschreiben Motivation und Orientierung aus Käufersicht.

Ein JTBD kann dabei verschiedene Dimensionen haben:

  1. Funktionale Dimension: Die Person möchte eine Situation verbessern, vereinfachen oder kontrollierbar machen.
  2. Emotionale Dimension: Die Person möchte sich sicher fühlen, Kontrolle zurückgewinnen oder Zweifel reduzieren.
  3. Soziale Dimension: Die Person möchte als kompetent, souverän oder strategisch wahrgenommen werden.

Diese Dimensionen existieren parallel. Sie erklären, warum Entscheidungen nicht rein rational getroffen werden und warum Fortschritt oft mehr bedeutet als Effizienz.

Ein JTBD steht dabei immer im Zusammenhang mit dem Werteversprechen eines Unternehmens. Während JTBD aufzeigen, was Kunden wirklich erreichen wollen, beschreibt das Werteversprechen, wie genau das Angebot des Unternehmens dabei hilft. Durch die Verbindung beider Konzepte entsteht ein klares Bild davon, warum ein Produkt aus Kundensicht sinnvoll ist.

Warum JTBD heute entscheidend sind

In komplexen Märkten und insbesondere im B2B Umfeld reichen Produktargumente allein nicht mehr aus. Kaufentscheidungen werden vorbereitet, verglichen und intern abgestimmt, oft lange bevor ein Vertriebsgespräch stattfindet.

Jobs to be done schaffen hier Orientierung. Sie helfen Unternehmen zu verstehen, welche Situationen Käufer wirklich beschäftigen und welche Ergebnisse für sie entscheidend sind. Besonders in Buying Centern mit mehreren Rollen liefern Jobs to be done eine gemeinsame Sprache für unterschiedliche Erwartungen und Entscheidungslogiken.

Wer die Jobs seiner Kunden versteht, kann Kommunikation, Inhalte und Angebote klarer ausrichten und Relevanz aufbauen, bevor es zur Kaufentscheidung kommt.

Wer profitiert vom Einsatz von Jobs to be done?

1. Geschäftsführung:

Jobs to be done schaffen strategische Klarheit darüber, welchen Fortschritt das Unternehmen für Kunden ermöglicht. Sie helfen bei Priorisierung, Positionierung und langfristigen Entscheidungen.

2. Marketing:

Marketing richtet Inhalte an realen Situationen aus statt an Annahmen. Das erhöht Relevanz, reduziert Streuverluste und stärkt Vertrauen.

3. Vertrieb:

Vertriebsgespräche werden strukturierter, weil sie auf Ausgangslage und gewünschtes Ergebnis aufbauen. Das erhöht Sicherheit auf beiden Seiten.

4. Kunden:

Kunden fühlen sich verstanden und geführt. Entscheidungen werden einfacher, weil Angebote nachvollziehbar zum eigenen Fortschritt passen.

Was braucht es für wirksame Jobs to be done?

1. Direkte Kundeneinblicke:

Jobs to be done basieren auf echter Kundenperspektive, gewonnen durch Interviews, Feedbacks und Verhaltensanalysen. Ohne direkte Einblicke in die tatsächlichen Herausforderungen und Erwartungen der Kunden besteht die Gefahr, dass JTBD nur auf Annahmen beruhen und an der Realität vorbeigehen.

2. Klare Formulierung:

Ein Job to be done muss konkret sein und in den Worten des Kunden ausgedrückt werden. Abstrakte Formulierungen oder interne Fachsprache führen dazu, dass die eigentlichen Bedürfnisse der Kunden verwässert werden und ihre Motivation unklar bleibt.

3. Integration:

JTBD sollten in Inhalte, Produkte und Vertriebsprozesse einfließen, besonders im Learningcenter. Nur wenn sie aktiv in der Kommunikation, der Produktentwicklung und in der Vertriebsansprache genutzt werden, entfalten sie ihre volle Wirkung.

4. Bezug zur Buyer Persona:

Jeder JTBD muss klar der entsprechenden Buyer Persona zugeordnet werden. Das hilft, gezielte Inhalte und Lösungen zu entwickeln, die genau auf die Bedürfnisse der jeweiligen Zielperson eingehen.

Praxisbeispiele und typische Fehler

Praxisbeispiel: Job to be done eines Geschäftsführers

Ein Job to be done wird am besten verständlich, wenn er an einer realen Situation festgemacht wird.

"Wenn ich als Geschäftsführer merke, dass Wachstum zwar vorhanden ist, aber zunehmend unübersichtlich wird, möchte ich meinen Go to Market klar strukturieren, damit ich Entscheidungen nicht mehr aus dem Bauch heraus treffe und Umsatz kontrolliert entwickeln kann."

Dieses Beispiel zeigt deutlich:

  1. Die Ausgangslage beschreibt eine konkrete Situation und keinen Produktmangel
  2. Der Fortschritt macht klar, welche Veränderung angestrebt wird
  3. Das Ergebnis formuliert Sicherheit, Kontrolle und strategische Klarheit

Der Job erklärt nicht, welches Tool eingesetzt wird. Er erklärt, warum der Geschäftsführer überhaupt bereit ist, sich mit Lösungen auseinanderzusetzen.

Typische Fehler:

  1. Jobs werden zu vage formuliert („Ich will besser arbeiten.“).
  2. Es wird nur die funktionale Dimension betrachtet, emotionale und soziale Aspekte fehlen.
  3. Die Jobs sind intern formuliert und nicht aus der Kundenperspektive.
  4. JTBD werden zwar definiert, aber nicht in Inhalte oder Produkte übersetzt.
  5. Der Bezug zur Buyer Persona fehlt, was zu unscharfen Formulierungen führt.

Fazit

Jobs to be done sind ein zentrales Denkmodell, um Kaufentscheidungen aus Käufersicht zu verstehen. Sie erklären nicht, welches Produkt gewählt wird, sondern warum Menschen in einer bestimmten Situation vorankommen wollen und welches Ergebnis sie absichern möchten.

Unternehmen, die ihre Kommunikation und ihr Angebot konsequent an den Jobs to be done ihrer Zielgruppen ausrichten, schaffen Orientierung, Relevanz und Vertrauen. Genau diese Faktoren entscheiden heute darüber, ob Käufer bereit sind, sich mit einem Angebot auseinanderzusetzen und eine Entscheidung zu treffen.

Häufig gestellte Fragen zu JTBDs

Jobs to be Done beschreiben den Fortschritt, den ein Käufer in einer konkreten Situation erreichen möchte. Sie erklären nicht das Produkt, sondern den Auslöser einer Kaufentscheidung.

Ein Job to be done beantwortet damit die zentrale Frage: Warum beauftragt jemand überhaupt eine Lösung?

Buyer Personas beschreiben, wer an einer Kaufentscheidung beteiligt ist.

Jobs to be Done erklären, warum diese Person aktiv wird.

Erst wenn beide Konzepte miteinander verbunden werden, entsteht strategische Relevanz.

Ohne Jobs to be Done bleiben Personas oft oberflächlich und austauschbar.

Nein. Jobs to be Done sind situationsabhängig. Sie verändern sich mit Auslösern, Rahmenbedingungen, Handlungsdruck oder Zielzuständen.

Eine Buyer Persona kann daher mehrere Jobs to be Done haben, je nach Kontext und Phase der Buyer Journey.

Ein Job to be done sollte klar, lösungsneutral und handlungsleitend formuliert sein. Bewährt hat sich folgende Struktur:

„Wenn ich <Problem> habe, hilf mir <Aufgabe> durchzuführen, um <Ziel> zu erreichen.“

So bleibt der Fokus auf dem Käuferfortschritt und nicht auf internen Produktannahmen.

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